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WASD 15: Tomb Raider ist wie Prada

Ein Interview mit Papis Loveday

Tomb Raider ist wie Prada

von Christian Schiffer

Papis Loveday ist das berühmteste schwarze Männer-Model der Welt und ziert das Cover der aktuellen WASD. Wie trafen uns mit Papis zum Shooting und plauderten darüber, was Models backstage eigentlich so zocken, bevor es auf den Catwalk geht.

Das Hearthouse ist ein sogenannter „Private Member Club“ und liegt im Herzen von München. Dreimal umfallen und man liegt im Pacha, zweimal umfallen und man liegt in der Bayerischen Börse, einmal umfallen und man liegt im Landgericht München 1. Wer im Jahr 1000 Euro berappt, darf hier an ausschweifenden Sex-Partys teilnehmen, umsonst die neuesten Designer-Drogen ausprobieren, sich in die tiefen Sessel des Social Rooms fallen lassen, dicke Zigarren rauchen und mit feisten High Potentials aus der organisierten Kriminalität innovative Weltzerstörungspläne schmieden. So stellen wir uns das zumindest vor. In Wirklichkeit allerdings herrscht hier Rauchverbot und das Veranstaltungsprogramm besteht aus Vernissagen, Weinverköstigungen und Kochkursen („How to make the perfect Fleischpflanzerl“) . Ja doch, wir fühlen uns wohl hier.

Seit gut einer Viertelstunde nippen wir nun schon aufgeregt an unserem stillen Wasser herum, denn gleich werden wir Papis Loveday treffen, das berühmteste schwarze Männer-Model der Welt und zudem natürlich das Model mit dem besten Model-Namen der Welt. Wir sind aufgeregt, denn der zwischenmenschliche Kontakt mit Top-Models beschränkte sich für uns bislang darauf, keinen zwischenmenschlichen Kontakt mit Top-Models zu haben. Was wird Papis anhaben? Wie zickig wird Papis sein? Wird Papis bei einer falschen Frage eine Szene machen und indigniert durch den Laden gockeln und ein Rudel tollwütiger Zierpudeln auf uns hetzen? Und vor allem: Wie wird Papis aussehen? Schöner als gedacht, hässlicher? Oberer Durchschnitt? 9,2/10? Oder mehr so Hot-aber-für-ein-Model-hätte-ich-ihn-jetzt-nicht-gehalten-schön?

Als Papis uns freundlich begrüßt, denken sogar wir heterosexuellen Cis-Männer uns: Leckomio, ist dieser Mann schön! Was für ein Gen-Pool! Ebenmäßiges Gesicht, markante Wangenknochen, filigrane Nase, energetische Augen. Auch die Glabella, wie der Zwischenraum zwischen den Augenbrauen genannt wird, ist sehr, sehr schön. Genauer: Papis Loveday wurde vom lieben Gott mit der schönsten Glabella des Planeten ausgestattet. Zuvor wussten wir gar nicht, was das sein soll, eine schöne Gla­bella. Jetzt aber wissen wir: Eine Glabella ist dann schön, wenn sie so aussieht wie bei Papis Loveday.

Das Supermodel trägt ein Jackett, eine Mischung aus Zirkusdirektoren-Uniform und Frosch. „Du darfst es gerne ausprobieren“, meint Papis zu uns. Nein danke, das Ding sieht genau so aus wie ein Kleidungsstück, das nur an Papis Loveday gut aussieht und bei allen anderen scheiße. Außerdem sind wir ja für ein Interview hier. Haute Couture tragen wir nur zu Hause, höhö. Wir hatten Papis eigentlich mehr so aus einer Laune heraus angefragt und waren recht überrascht, als uns sein Manager Kolya Grüske sein Okay gab. Der 42-Jährige ist der unzickigste Mensch der Welt und scheint weniger Allüren zu haben als wir selbst. Wir plaudern, wir lachen, wir hängen an seiner Glabella. Am Ende dürfen wir noch Fotos von ihm machen und er erlaubt uns sogar, sie für unser Cover zu verwenden.

Wenn du auf einer Fashion-Show bist, was passiert denn, bevor du den Laufsteg betrittst?

Naja, wenn die Show um 12 beginnt, dann ist meisten die Calltime um neun Uhr, manchmal auch früher, das hängt unter anderem davon ab, welches Make-up aufgetragen wird. Da kommen dann die Make-up-Artists und die Leute, die Nägel machen, es gibt Masseure und so weiter. Dort treffen sich dann die ganzen Models, lachen, feiern, reden und natürlich spielt jeder mit seinem Handy.

Spielen, um die Zeit totzuschlagen?

Ja, auch. Man sitzt da ja leider echt lange rum. Normalerweise werden die Nägel als Allererstes gemacht, danach hat man die Hände frei. Natürlich kennen wir uns als Models alle untereinander, aber man kann trotzdem nicht vier Stunden am Stück miteinander quatschen. Also fangen wir an, auf unseren Handys zu spielen. Der Vorteil ist auch, dass man sich dabei schon mal ein wenig konzentrieren muss und sich mental auf seinen Auftritt vorbereiten kann. Die Leute glauben ja immer, dass Model ein Beruf ist, bei dem man sich nicht konzentrieren muss, aber das ist natürlich Unsinn. Es gibt dann diesen Moment unmittelbar vor der Show, wo man nicht mehr spricht und nur darauf wartet, aufgerufen zu werden. Und in diesen Minuten spiele ich dann besonders viel.

Läuft man dann nicht Gefahr, seinen Einsatz zu verpassen?

Es kann schon eng werden. Es gibt ja Leute, die sich um die Logistik kümmern, die dir sagen, wann du auf den Laufsteg musst und dich dann unterbrechen und dann schaffst du deinen Candy Crush-Level nicht. Das ist schon doof manchmal.

Was ist denn das wichtigste Spiel im Model-Business?

Auf jeden Fall Candy Crush. Und auch Pokemon Go war recht groß, das hat jeder geliebt. Außer ich …

Du nicht?

Ja, dauernd kam irgendwer und meinte: „Hey Papis, geh mal zur Seite …“. Und dann war das wieder nur irgendwer, der im Backstage-Bereich ein Pokémon fangen wollte. Nervig!

Und was ist sonst noch so in der Modelszene angesagt?

Angry Birds natürlich. Und GTA…

GTA? Das ist auf dem Smartphone ja recht schwer zu steuern …

Ja, das spielen auch nur die australischen Models und die aus London. Ich selbst entwickle beim Spielen auch immer einen gewissen Ehrgeiz. Früher, da habe ich ja noch geraucht, da bin ich eher zum Rauchen raus und habe mit den anderen Models gequatscht. Aber mittlerweile nutze ich die Zeit lieber zum Spielen und ich will mich in dieser Zeit auch mit dem Spiel beschäftigen. Und wenn ich dann in Candy Crush ein paar Levels schaffe, das macht mich dann auch ein bisschen stolz.

Ist Candy Crush denn ein schönes Spiel?

Nein, Candy Crush ist nicht schön. Spiele sind dann schön, wenn dort Menschen vorkommen. Tomb Raider zum Beispiel oder auch Fortnite. Das sind sehr attraktive Spiele, ästhetisch sogar visionär, die sind wie Mode. Lara Croft hat etwas Unnahbares an sich, wie ein Kleidungsstück, das so teuer ist, das es sich niemand leisten kann. So eins, das im Gucci- oder Prada-Museum steht und 150.000 Euro kostet. Ja, Spiele mit Menschen und Superhelden, die sind wirklich sehr schön. Und Forge of Empires, das, wo man so Schlösser bauen kann, das ist auch schön. Leider kann man das nur am Computer spielen.

Was ist denn das Geile an Angry Birds?

Die Superkräfte! Eigentlich sind das ja normale Vögel, aber dank der Superkräfte sind das dann Supervögel! (lacht). Und natürlich ist es ein einfaches Spiel, das aber schwer zu meistern ist.

Wenn es ein Papis Loveday-Spiel geben würde, was wäre das dann für ein Computerspiel?

Mhm … Vielleicht eine Art GTA, aber ohne Gewalt. Mehr so ein GTA, in dem man etwas sucht und Rätsel löst. Ja, so ein Spiel mit mir als Hauptfigur, das würde mir gefallen.

CHRISTIAN SCHIFFER will wieder ins Hearthouse.
Ein Interview mit Papis Loveday Tomb Raider ist wie Prada von Christian Schiffer Papis Loveday ist das berühmteste schwarze Männer-Model der Welt und ziert das Cover der aktuellen... mehr erfahren »
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WASD 15: Tomb Raider ist wie Prada

Ein Interview mit Papis Loveday

Tomb Raider ist wie Prada

von Christian Schiffer

Papis Loveday ist das berühmteste schwarze Männer-Model der Welt und ziert das Cover der aktuellen WASD. Wie trafen uns mit Papis zum Shooting und plauderten darüber, was Models backstage eigentlich so zocken, bevor es auf den Catwalk geht.

Das Hearthouse ist ein sogenannter „Private Member Club“ und liegt im Herzen von München. Dreimal umfallen und man liegt im Pacha, zweimal umfallen und man liegt in der Bayerischen Börse, einmal umfallen und man liegt im Landgericht München 1. Wer im Jahr 1000 Euro berappt, darf hier an ausschweifenden Sex-Partys teilnehmen, umsonst die neuesten Designer-Drogen ausprobieren, sich in die tiefen Sessel des Social Rooms fallen lassen, dicke Zigarren rauchen und mit feisten High Potentials aus der organisierten Kriminalität innovative Weltzerstörungspläne schmieden. So stellen wir uns das zumindest vor. In Wirklichkeit allerdings herrscht hier Rauchverbot und das Veranstaltungsprogramm besteht aus Vernissagen, Weinverköstigungen und Kochkursen („How to make the perfect Fleischpflanzerl“) . Ja doch, wir fühlen uns wohl hier.

Seit gut einer Viertelstunde nippen wir nun schon aufgeregt an unserem stillen Wasser herum, denn gleich werden wir Papis Loveday treffen, das berühmteste schwarze Männer-Model der Welt und zudem natürlich das Model mit dem besten Model-Namen der Welt. Wir sind aufgeregt, denn der zwischenmenschliche Kontakt mit Top-Models beschränkte sich für uns bislang darauf, keinen zwischenmenschlichen Kontakt mit Top-Models zu haben. Was wird Papis anhaben? Wie zickig wird Papis sein? Wird Papis bei einer falschen Frage eine Szene machen und indigniert durch den Laden gockeln und ein Rudel tollwütiger Zierpudeln auf uns hetzen? Und vor allem: Wie wird Papis aussehen? Schöner als gedacht, hässlicher? Oberer Durchschnitt? 9,2/10? Oder mehr so Hot-aber-für-ein-Model-hätte-ich-ihn-jetzt-nicht-gehalten-schön?

Als Papis uns freundlich begrüßt, denken sogar wir heterosexuellen Cis-Männer uns: Leckomio, ist dieser Mann schön! Was für ein Gen-Pool! Ebenmäßiges Gesicht, markante Wangenknochen, filigrane Nase, energetische Augen. Auch die Glabella, wie der Zwischenraum zwischen den Augenbrauen genannt wird, ist sehr, sehr schön. Genauer: Papis Loveday wurde vom lieben Gott mit der schönsten Glabella des Planeten ausgestattet. Zuvor wussten wir gar nicht, was das sein soll, eine schöne Gla­bella. Jetzt aber wissen wir: Eine Glabella ist dann schön, wenn sie so aussieht wie bei Papis Loveday.

Das Supermodel trägt ein Jackett, eine Mischung aus Zirkusdirektoren-Uniform und Frosch. „Du darfst es gerne ausprobieren“, meint Papis zu uns. Nein danke, das Ding sieht genau so aus wie ein Kleidungsstück, das nur an Papis Loveday gut aussieht und bei allen anderen scheiße. Außerdem sind wir ja für ein Interview hier. Haute Couture tragen wir nur zu Hause, höhö. Wir hatten Papis eigentlich mehr so aus einer Laune heraus angefragt und waren recht überrascht, als uns sein Manager Kolya Grüske sein Okay gab. Der 42-Jährige ist der unzickigste Mensch der Welt und scheint weniger Allüren zu haben als wir selbst. Wir plaudern, wir lachen, wir hängen an seiner Glabella. Am Ende dürfen wir noch Fotos von ihm machen und er erlaubt uns sogar, sie für unser Cover zu verwenden.

Wenn du auf einer Fashion-Show bist, was passiert denn, bevor du den Laufsteg betrittst?

Naja, wenn die Show um 12 beginnt, dann ist meisten die Calltime um neun Uhr, manchmal auch früher, das hängt unter anderem davon ab, welches Make-up aufgetragen wird. Da kommen dann die Make-up-Artists und die Leute, die Nägel machen, es gibt Masseure und so weiter. Dort treffen sich dann die ganzen Models, lachen, feiern, reden und natürlich spielt jeder mit seinem Handy.

Spielen, um die Zeit totzuschlagen?

Ja, auch. Man sitzt da ja leider echt lange rum. Normalerweise werden die Nägel als Allererstes gemacht, danach hat man die Hände frei. Natürlich kennen wir uns als Models alle untereinander, aber man kann trotzdem nicht vier Stunden am Stück miteinander quatschen. Also fangen wir an, auf unseren Handys zu spielen. Der Vorteil ist auch, dass man sich dabei schon mal ein wenig konzentrieren muss und sich mental auf seinen Auftritt vorbereiten kann. Die Leute glauben ja immer, dass Model ein Beruf ist, bei dem man sich nicht konzentrieren muss, aber das ist natürlich Unsinn. Es gibt dann diesen Moment unmittelbar vor der Show, wo man nicht mehr spricht und nur darauf wartet, aufgerufen zu werden. Und in diesen Minuten spiele ich dann besonders viel.

Läuft man dann nicht Gefahr, seinen Einsatz zu verpassen?

Es kann schon eng werden. Es gibt ja Leute, die sich um die Logistik kümmern, die dir sagen, wann du auf den Laufsteg musst und dich dann unterbrechen und dann schaffst du deinen Candy Crush-Level nicht. Das ist schon doof manchmal.

Was ist denn das wichtigste Spiel im Model-Business?

Auf jeden Fall Candy Crush. Und auch Pokemon Go war recht groß, das hat jeder geliebt. Außer ich …

Du nicht?

Ja, dauernd kam irgendwer und meinte: „Hey Papis, geh mal zur Seite …“. Und dann war das wieder nur irgendwer, der im Backstage-Bereich ein Pokémon fangen wollte. Nervig!

Und was ist sonst noch so in der Modelszene angesagt?

Angry Birds natürlich. Und GTA…

GTA? Das ist auf dem Smartphone ja recht schwer zu steuern …

Ja, das spielen auch nur die australischen Models und die aus London. Ich selbst entwickle beim Spielen auch immer einen gewissen Ehrgeiz. Früher, da habe ich ja noch geraucht, da bin ich eher zum Rauchen raus und habe mit den anderen Models gequatscht. Aber mittlerweile nutze ich die Zeit lieber zum Spielen und ich will mich in dieser Zeit auch mit dem Spiel beschäftigen. Und wenn ich dann in Candy Crush ein paar Levels schaffe, das macht mich dann auch ein bisschen stolz.

Ist Candy Crush denn ein schönes Spiel?

Nein, Candy Crush ist nicht schön. Spiele sind dann schön, wenn dort Menschen vorkommen. Tomb Raider zum Beispiel oder auch Fortnite. Das sind sehr attraktive Spiele, ästhetisch sogar visionär, die sind wie Mode. Lara Croft hat etwas Unnahbares an sich, wie ein Kleidungsstück, das so teuer ist, das es sich niemand leisten kann. So eins, das im Gucci- oder Prada-Museum steht und 150.000 Euro kostet. Ja, Spiele mit Menschen und Superhelden, die sind wirklich sehr schön. Und Forge of Empires, das, wo man so Schlösser bauen kann, das ist auch schön. Leider kann man das nur am Computer spielen.

Was ist denn das Geile an Angry Birds?

Die Superkräfte! Eigentlich sind das ja normale Vögel, aber dank der Superkräfte sind das dann Supervögel! (lacht). Und natürlich ist es ein einfaches Spiel, das aber schwer zu meistern ist.

Wenn es ein Papis Loveday-Spiel geben würde, was wäre das dann für ein Computerspiel?

Mhm … Vielleicht eine Art GTA, aber ohne Gewalt. Mehr so ein GTA, in dem man etwas sucht und Rätsel löst. Ja, so ein Spiel mit mir als Hauptfigur, das würde mir gefallen.

CHRISTIAN SCHIFFER will wieder ins Hearthouse.