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WASD 16: Die hohen Kosten

Die hohen Kosten

von Matthias Kreienbrink

Videospiele sind teuer, das schließt viele Spieler aus. Drei von ihnen berichten, wie sie trotzdem zum Zocken kommen. Und in einem Jugendklub warten sie auf ihre Stunde.

Die Grabbelkiste im Media Markt am Alexanderplatz. Ab 9,99 Euro, ungeordnet Spiele hineingeworfen, ein großer Haufen. Davor steht Michael, auf der Suche nach einem günstigen Videospiel. Die Augen schnellen von Verpackung zu Verpackung, dann merkt er, dass er heute leer ausgehen wird. Die Spiele hat er schon oder sie interessieren ihn nicht. Nicht weit entfernt stehen junge Menschen, wahrscheinlich Schüler, vor Anspielstationen. Controller in der Hand. Unweit davon die neuen QLED-4K-Fernseher mit HDR. 1000 Euro sollte man hinblättern, um einen ordentlichen Fernseher vor die Couch zu hängen. Michael hat sowas nicht. Momentan hat er auch keinen Job. Aber das Zocken möchte er trotzdem nicht aufgeben. Also streift er ab und zu durch die Elektronikfachgeschäfte und sucht nach guten Angeboten. „Der Vorteil von physischen Spielen ist, dass man sie nach dem Durchspielen verkaufen kann“, sagt er. Oder man verleiht sie an Freude, so wie er sich auch immer wieder Spiele leiht.

Teure Spiele

Videospiele sind ein ziemlich teures Hobby. Es braucht Hardware: Eine PlayStation 4 kostet noch immer um die 280 Euro, eine Nintendo Switch um die 300 Euro. Ein PC kostet ein Vielfaches mehr. muss nachgerüstet werden, wenn die aktuellsten Spiele darauf laufen sollen. Möchte man mit Freunden zocken, braucht es weitere Controller. Ein Pro-Controller für die Switch kostet 60 Euro. Jetzt fehlen die Spiele. Neue Blockbuster schlagen mit 60 Euro zu Buche. Und möchte man diese online spielen, so gilt es auf den Konsolen noch eine Gebühr zu zahlen. Dann noch ein paar Mikrotransaktionen und DLC und fertig ist das Hobby, das für Geringverdiener nur schwer zu stemmen ist.

„Ich warte, bis ich genug gespart habe und halte dann Ausschau nach Sales. Da kann es schon passieren, dass ich lange auf ein Spiel warten muss“, sagt Angelina. Sie ist 17 Jahre alt, macht gerade ihr Abitur und lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter, die momentan nicht arbeitet. Das Geld ist knapp. „Ich glaube, das letzte Vollpreis-Spiel war eine Erweiterung für Sims 4, die 40 Euro gekostet hat. Das ist viel Geld, hat sich aber definitiv gelohnt“, erzählt sie. Eigentlich kaufe sie nur Spiele, bei denen möglichst viele Inhalte enthalten sind, damit sie viel davon habe. Sie spielt ihr Videospiele anders als viele andere, sagt sie. „Für die meisten sind Spiele nichts Besonderes.“ Angelina jedoch versucht, sich möglichst lang für jedes Spiel zu begeistern, das sie sich gekauft hat. Denn wahrscheinlich wird es dauern, bis das nächste kommt.

Über Videospiele redet man

Sicherlich, die meisten Hobbys kosten Geld. Fotografen kaufen sich teures Equipment, Sportler haben eine Mitgliedschaft im Fitnessclub und kaufen sich entsprechende Kleidung. Und wer sich Wagner in der Oper anschauen möchte, darf auch ganz gut hinblättern. Doch keines dieser Hobbys formt junge Menschen momentan so sehr wie Videospiele. Darum geht es bei Games auch um Teilhabe an einem Trend – um das Mitreden unter Freunden, auf dem Schulhof. Gerade bei Online-Spielen ist es für viele wichtig, ab der ersten Minute mit dabei zu sein. Erscheint ein neues Call of Duty, warten die größten Fans sicherlich nicht darauf, dass das Spiel runtergesetzt wird. Daher kann ein Fortnite beinahe als egalitäres Spiel gewertet werden. Eines, das diese Bezahlschwelle zunächst nicht hat, die Spieler erst im Laufe des Spiels dazu verlockt, das Geld zu zahlen. Aber sie müssen nicht. Fornite wurde auch deshalb zu diesem Phänomen, das sich auf Tänze, Fernsehshows oder Sportveranstaltungen ausweitete. Aber die meisten Spiele kosten. 
Zudem werden Videospiele zu einem kulturell immer wichtigeren Genre. Sie erzählen anders als etwa Romane oder Filme. In ihnen werden immer mehr aktuelle Diskurse aufgegriffen und verhandelt. Kurzum: Games sind bedeutend.

„Mein Tipp, damit Gaming kein teures Hobby ist: Auf einer völlig veralteten Plattform spielen“, sagt Judith. Die 29-Jährige arbeitet als Köchin, verdient etwa 1200 Euro netto, doch schon für Miete und das Auto, mit dem sie zur Arbeit fahren muss, gehen mehr als die Hälfte des Einkommens drauf. „In meinem PC ist noch eine Intel i3 CPU verbaut, schon viele Spiele von 2016 laufen darauf nicht mehr“, erzählt sie. Darum verbringt Judith viel Zeit mit MMORPGs und MOBAs – „obwohl das nicht meine Lieblingsgenres sind“. Doch mit solchen Spielen könne man eben sehr viel Zeit verbringen, für wenig Geld. „Wenn ich Singleplayer-Spiele kaufe, dann koste ich das richtig aus: Ich spiele sehr langsam, schaue in jede Ecke und spiele das Ganze gern auch noch ein zweites oder drittes Mal.“ Dabei könnten RPG-Elemente wie ein Klassensystem oder ein Skilltree besondere Anreize bieten: „Das nächste Playthrough bleibt dann trotzdem spannend.“
 Um keine Fehlkäufe zu machen, schaut Judith sich im Vorfeld Let’s Plays an, um zu erkennen, ob das Spiel auch wirklich für sie ist. Denn von dem wenigen Geld auch noch Spiele zu kaufen, die enttäuschen, das kann sie sich nicht leisten. Und das, obwohl sie sowieso fast nur Spiele kaufe, die im Angebot sind. „Vor einem halben Jahr habe ich mir Black Desert Online für 5 Euro gekauft – da ist noch jede Menge Spielzeit drin.“

Es sind viele

Eine kurze Umfrage auf Twitter zeigt, dass viele Spieler mit wenig Geld so handeln wie Judith, Angelina und Michael: Sie suchen nach Angeboten, versuchen jede Minute Spielzeit aus den Spielen zu pressen. Kaufen Spiele gebraucht, bleiben bei der alten Hardware – vertreiben sich die Zeit mit PlayStation 3 oder einem alten PC. Doch viele tun das, weil sie müssen, nicht, weil sie möchten. Sie fühlen ihre Teilhabe schwinden, wenn sie Spiele erst dann erleben können, nachdem sie fünf Jahre auf dem Markt waren. Es ist ein Luxus.

Fern von jedem Luxus ist derweil das Klubhaus Spandau. Ein Jugendzentrum im Ortsteil Falkenhagener Feld. Die Menschen hier sind eher einkommensschwach. Im Haus laufen Kinder und Jugendliche durcheinander, werden in pädagogische Programme integriert – man kümmert sich um sie. Im Spielraum stehen eine Wii und eine PlayStation 4. Und um die Konsolen herum oft ungeduldige Spieler, die darauf warten, dass sie zum Zug kommen. „Jeder darf bei uns höchstens eine Stunde zocken“, sagt Fabian Langer, der das medienpädagogische Angebot im Klubhaus Spandau betreut. Videospiele seien hier ein sogenannter Pull-Faktor: Sie bringen Kinder und Jugendliche in das Zentrum, die dann im besten Fall bleiben, um so Kontakt zu anderen Menschen herzustellen und das pädagogische Programm wahrzunehmen. „Viele der Kinder und Jugendlichen, die zu uns kommen, haben selbst keine Möglichkeiten, Videospiele zu spielen. Weil sie oder ihre Eltern nicht das Geld haben“, erzählt er.

Spiele ab 18 gibt es hier nicht zu spielen. Und selbst die ab 16 dürfen erst am Abend herausgeholt werden, wenn die Kleinsten nicht mehr da sind. Vor allem Multiplayer-Spiele sind beliebt. Gerade sind es Fifa 19, Rocket League und Dragon Ball Fighter Z. Wer diesen Jugendklub besucht, der kann später auch auf dem Schulhof mitreden.

Videospielotheken

Was könnte also helfen? Den „Hartz 4“-Satz erhöhen, in dem für „Freizeit, Unterhaltung, Kultur“ momentan ganze 39,22 Euro pro Monat vorgesehen sind? Sollten Spiele günstiger werden, obwohl Produktionskosten von AAA-Spielen stetig steigen? Beides wird kaum zu verwirklichen sein. Wahrscheinlich wäre ein anderer Umgang mit Videospielen nötig. Wieso keine staatlichen Videospielotheken bauen, in denen sowohl moderne Spiele als auch Hardware verliehen werden? Wieso keine Spielzimmer in Schulen einrichten, in denen Wissensvermittlung über Games praktiziert wird? Wieso nicht Gameswissenschaft, die neben Literaturwissenschaft an der Uni angeboten wird – mit dem gleichen Stellenwert? Dafür bräuchte es freilich auch ein Entgegenkommen der Industrie, die viele Spiele nur noch digital vertreibt, sie an personalisierte Accounts bindet. Doch da gäbe es sicherlich Wege. Noch sind Videospiele im öffentlichen Diskurs dieses Medium mit den Ballerspielen. Aber was auf Schulhöfen und in den Köpfen vieler, gerade jüngerer Menschen läuft, ist weit entfernt davon. In diesen Räumen sind Videospiele das Medium, das alles prägt.

MATTHIAS KREIENBRINK bekommt die meisten Spiele inzwischen gestellt, er ist Freier Journalist für Medien wie Spiegel Online oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Doch er kann sich noch gut daran erinnern, lange auf ein Spiel hinzusparen. Und dann hat er es in "König der Löwen" nicht über das dritte Level hinweg geschafft.
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WASD 16: Die hohen Kosten

Die hohen Kosten

von Matthias Kreienbrink

Videospiele sind teuer, das schließt viele Spieler aus. Drei von ihnen berichten, wie sie trotzdem zum Zocken kommen. Und in einem Jugendklub warten sie auf ihre Stunde.

Die Grabbelkiste im Media Markt am Alexanderplatz. Ab 9,99 Euro, ungeordnet Spiele hineingeworfen, ein großer Haufen. Davor steht Michael, auf der Suche nach einem günstigen Videospiel. Die Augen schnellen von Verpackung zu Verpackung, dann merkt er, dass er heute leer ausgehen wird. Die Spiele hat er schon oder sie interessieren ihn nicht. Nicht weit entfernt stehen junge Menschen, wahrscheinlich Schüler, vor Anspielstationen. Controller in der Hand. Unweit davon die neuen QLED-4K-Fernseher mit HDR. 1000 Euro sollte man hinblättern, um einen ordentlichen Fernseher vor die Couch zu hängen. Michael hat sowas nicht. Momentan hat er auch keinen Job. Aber das Zocken möchte er trotzdem nicht aufgeben. Also streift er ab und zu durch die Elektronikfachgeschäfte und sucht nach guten Angeboten. „Der Vorteil von physischen Spielen ist, dass man sie nach dem Durchspielen verkaufen kann“, sagt er. Oder man verleiht sie an Freude, so wie er sich auch immer wieder Spiele leiht.

Teure Spiele

Videospiele sind ein ziemlich teures Hobby. Es braucht Hardware: Eine PlayStation 4 kostet noch immer um die 280 Euro, eine Nintendo Switch um die 300 Euro. Ein PC kostet ein Vielfaches mehr. muss nachgerüstet werden, wenn die aktuellsten Spiele darauf laufen sollen. Möchte man mit Freunden zocken, braucht es weitere Controller. Ein Pro-Controller für die Switch kostet 60 Euro. Jetzt fehlen die Spiele. Neue Blockbuster schlagen mit 60 Euro zu Buche. Und möchte man diese online spielen, so gilt es auf den Konsolen noch eine Gebühr zu zahlen. Dann noch ein paar Mikrotransaktionen und DLC und fertig ist das Hobby, das für Geringverdiener nur schwer zu stemmen ist.

„Ich warte, bis ich genug gespart habe und halte dann Ausschau nach Sales. Da kann es schon passieren, dass ich lange auf ein Spiel warten muss“, sagt Angelina. Sie ist 17 Jahre alt, macht gerade ihr Abitur und lebt bei ihrer alleinerziehenden Mutter, die momentan nicht arbeitet. Das Geld ist knapp. „Ich glaube, das letzte Vollpreis-Spiel war eine Erweiterung für Sims 4, die 40 Euro gekostet hat. Das ist viel Geld, hat sich aber definitiv gelohnt“, erzählt sie. Eigentlich kaufe sie nur Spiele, bei denen möglichst viele Inhalte enthalten sind, damit sie viel davon habe. Sie spielt ihr Videospiele anders als viele andere, sagt sie. „Für die meisten sind Spiele nichts Besonderes.“ Angelina jedoch versucht, sich möglichst lang für jedes Spiel zu begeistern, das sie sich gekauft hat. Denn wahrscheinlich wird es dauern, bis das nächste kommt.

Über Videospiele redet man

Sicherlich, die meisten Hobbys kosten Geld. Fotografen kaufen sich teures Equipment, Sportler haben eine Mitgliedschaft im Fitnessclub und kaufen sich entsprechende Kleidung. Und wer sich Wagner in der Oper anschauen möchte, darf auch ganz gut hinblättern. Doch keines dieser Hobbys formt junge Menschen momentan so sehr wie Videospiele. Darum geht es bei Games auch um Teilhabe an einem Trend – um das Mitreden unter Freunden, auf dem Schulhof. Gerade bei Online-Spielen ist es für viele wichtig, ab der ersten Minute mit dabei zu sein. Erscheint ein neues Call of Duty, warten die größten Fans sicherlich nicht darauf, dass das Spiel runtergesetzt wird. Daher kann ein Fortnite beinahe als egalitäres Spiel gewertet werden. Eines, das diese Bezahlschwelle zunächst nicht hat, die Spieler erst im Laufe des Spiels dazu verlockt, das Geld zu zahlen. Aber sie müssen nicht. Fornite wurde auch deshalb zu diesem Phänomen, das sich auf Tänze, Fernsehshows oder Sportveranstaltungen ausweitete. Aber die meisten Spiele kosten. 
Zudem werden Videospiele zu einem kulturell immer wichtigeren Genre. Sie erzählen anders als etwa Romane oder Filme. In ihnen werden immer mehr aktuelle Diskurse aufgegriffen und verhandelt. Kurzum: Games sind bedeutend.

„Mein Tipp, damit Gaming kein teures Hobby ist: Auf einer völlig veralteten Plattform spielen“, sagt Judith. Die 29-Jährige arbeitet als Köchin, verdient etwa 1200 Euro netto, doch schon für Miete und das Auto, mit dem sie zur Arbeit fahren muss, gehen mehr als die Hälfte des Einkommens drauf. „In meinem PC ist noch eine Intel i3 CPU verbaut, schon viele Spiele von 2016 laufen darauf nicht mehr“, erzählt sie. Darum verbringt Judith viel Zeit mit MMORPGs und MOBAs – „obwohl das nicht meine Lieblingsgenres sind“. Doch mit solchen Spielen könne man eben sehr viel Zeit verbringen, für wenig Geld. „Wenn ich Singleplayer-Spiele kaufe, dann koste ich das richtig aus: Ich spiele sehr langsam, schaue in jede Ecke und spiele das Ganze gern auch noch ein zweites oder drittes Mal.“ Dabei könnten RPG-Elemente wie ein Klassensystem oder ein Skilltree besondere Anreize bieten: „Das nächste Playthrough bleibt dann trotzdem spannend.“
 Um keine Fehlkäufe zu machen, schaut Judith sich im Vorfeld Let’s Plays an, um zu erkennen, ob das Spiel auch wirklich für sie ist. Denn von dem wenigen Geld auch noch Spiele zu kaufen, die enttäuschen, das kann sie sich nicht leisten. Und das, obwohl sie sowieso fast nur Spiele kaufe, die im Angebot sind. „Vor einem halben Jahr habe ich mir Black Desert Online für 5 Euro gekauft – da ist noch jede Menge Spielzeit drin.“

Es sind viele

Eine kurze Umfrage auf Twitter zeigt, dass viele Spieler mit wenig Geld so handeln wie Judith, Angelina und Michael: Sie suchen nach Angeboten, versuchen jede Minute Spielzeit aus den Spielen zu pressen. Kaufen Spiele gebraucht, bleiben bei der alten Hardware – vertreiben sich die Zeit mit PlayStation 3 oder einem alten PC. Doch viele tun das, weil sie müssen, nicht, weil sie möchten. Sie fühlen ihre Teilhabe schwinden, wenn sie Spiele erst dann erleben können, nachdem sie fünf Jahre auf dem Markt waren. Es ist ein Luxus.

Fern von jedem Luxus ist derweil das Klubhaus Spandau. Ein Jugendzentrum im Ortsteil Falkenhagener Feld. Die Menschen hier sind eher einkommensschwach. Im Haus laufen Kinder und Jugendliche durcheinander, werden in pädagogische Programme integriert – man kümmert sich um sie. Im Spielraum stehen eine Wii und eine PlayStation 4. Und um die Konsolen herum oft ungeduldige Spieler, die darauf warten, dass sie zum Zug kommen. „Jeder darf bei uns höchstens eine Stunde zocken“, sagt Fabian Langer, der das medienpädagogische Angebot im Klubhaus Spandau betreut. Videospiele seien hier ein sogenannter Pull-Faktor: Sie bringen Kinder und Jugendliche in das Zentrum, die dann im besten Fall bleiben, um so Kontakt zu anderen Menschen herzustellen und das pädagogische Programm wahrzunehmen. „Viele der Kinder und Jugendlichen, die zu uns kommen, haben selbst keine Möglichkeiten, Videospiele zu spielen. Weil sie oder ihre Eltern nicht das Geld haben“, erzählt er.

Spiele ab 18 gibt es hier nicht zu spielen. Und selbst die ab 16 dürfen erst am Abend herausgeholt werden, wenn die Kleinsten nicht mehr da sind. Vor allem Multiplayer-Spiele sind beliebt. Gerade sind es Fifa 19, Rocket League und Dragon Ball Fighter Z. Wer diesen Jugendklub besucht, der kann später auch auf dem Schulhof mitreden.

Videospielotheken

Was könnte also helfen? Den „Hartz 4“-Satz erhöhen, in dem für „Freizeit, Unterhaltung, Kultur“ momentan ganze 39,22 Euro pro Monat vorgesehen sind? Sollten Spiele günstiger werden, obwohl Produktionskosten von AAA-Spielen stetig steigen? Beides wird kaum zu verwirklichen sein. Wahrscheinlich wäre ein anderer Umgang mit Videospielen nötig. Wieso keine staatlichen Videospielotheken bauen, in denen sowohl moderne Spiele als auch Hardware verliehen werden? Wieso keine Spielzimmer in Schulen einrichten, in denen Wissensvermittlung über Games praktiziert wird? Wieso nicht Gameswissenschaft, die neben Literaturwissenschaft an der Uni angeboten wird – mit dem gleichen Stellenwert? Dafür bräuchte es freilich auch ein Entgegenkommen der Industrie, die viele Spiele nur noch digital vertreibt, sie an personalisierte Accounts bindet. Doch da gäbe es sicherlich Wege. Noch sind Videospiele im öffentlichen Diskurs dieses Medium mit den Ballerspielen. Aber was auf Schulhöfen und in den Köpfen vieler, gerade jüngerer Menschen läuft, ist weit entfernt davon. In diesen Räumen sind Videospiele das Medium, das alles prägt.

MATTHIAS KREIENBRINK bekommt die meisten Spiele inzwischen gestellt, er ist Freier Journalist für Medien wie Spiegel Online oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Doch er kann sich noch gut daran erinnern, lange auf ein Spiel hinzusparen. Und dann hat er es in "König der Löwen" nicht über das dritte Level hinweg geschafft.